Gundermann

Gundermann, der Name sagte mir nichts. Der Trailer verriet mir auch nicht, ob dies eine fiktive Geschichte ist oder nicht. Doch nun weiß ich: Gerhard Rüdiger Gundermann, das war ein singender Baggerfahrer und Liedermacher in der DDR. Andreas Dresen, der bekannte Regisseur, der Filme gemacht hat wie „Halbe Treppe“, „Sommer vorm Balkon“, „Wolke 9“, „Halt auf freier Strecke“, um nur ein paar seiner bekanntesten Filme zu nennen, hat sich hier eines Sängers angenommen, von dem ich zuvor nie gehört habe. Mit Hilfe und Unterstützung von Gundermanns Frau und Tochter, zeichnet Andreas Dresen hier das Portrait eines Mannes, der sich verirrte, vergaß, fiel, aufstand und wieder fand und bei allem berührende Texte komponierte, die er in kleinem und schließlich immer größer werdenden Rahmen mit seiner Band dem Publikum präsentierte.
Ein berührender Film, der sich langsam entwickelt und immer stärker wird. Ganz wunderbare, lyrische Texte. Da ich den „echten Gundermann“ nicht gekannt habe, kann ich nicht beurteilen, ob der „Gespielte“ dem Original nahe kommt, ich kann nur sagen, dass Alexander Scheer, der Gundermann spielt, überzeugend ist. Volle Punktzahl für diesen Film, die schauspielerische Leistung aller, Musik und Komposition. Auch sehr schöne Kamera. Empfehlenswert. Wie ich las, wurden die Lieder von Gundermann durch Alexander Scheer (Schauspieler, Sänger und Musiker) neu eingesungen. Mir gefallen die Lieder.

5 Filmrollen von möglichen 5.

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303

Jan ist auf dem Weg nach Spanien, um dort seinen leiblichen Vater erstmalig zu treffen. Eigentlich möchte er mit der Mitfahrzentrale hinfahren, doch der Fahrer taucht nicht auf. Also steht er an der vereinbarten Haltestelle und sieht sich um. Dort spricht er Jule an und fragt, ob sie ihn ein Stück mitnehmen könnte. Jule ist auf dem Weg nach Portugal. Sie möchte ihren Freund besuchen, um ihm etwas Wichtiges mitzuteilen.
Ein wundervoller Film mit spritzigen, unterhaltsamen, interessanten Gesprächen. Ein wundervoller Film über Liebe und Nähe. Schöne Musik, tolle Dialoge, schöne Kamera und Bilder, atmosphärischer Film. Absolute Empfehlung.

5 Filmrollen von 5 möglichen.

In den Gängen

Christian (Frank Rogowski) beginnt einen neuen Job – als Aushilfe der Getränkeabteilung in einem großen Supermarkt. Zwei Jahre war er im Knast, der Job ist sein Einstieg in ein neues Leben. Nachts wird er eingearbeitet, räumt Regale ein und aus und irgendwann ist er so weit und darf den Gabelstaplerführerschein machen. Danach ist er befähigt, die Waren hin und her zu transportieren, bis sie da sind, wo sie hingehören. Eingearbeitet wurde Christian von Bruno, der mal LKW-Fahrer war, doch das ist lange her, und war vor der Wende. Jetzt gibt es in dem Ort nur noch diesen Großmarkt. Bruno, der zurückhaltend ist, arbeitet Christian ein und verrät ihm ein paar Tricks, die für die Arbeit im Supermarkt von Bedeutung sind. Trotz Verbots weiß Bruno, wo man zwischendurch mal eine Zigarette rauchen kann und er kennt auch die Leute gut, die in dem Großmarkt arbeiten. Es wirkt wie eine verschworene Gemeinschaft. Die Kollegen arbeiten schon lange dort, die meisten sind etwas seltsam und wirken gestrandet. Als Christian Marion (Sandra Hüller) kennen lernt, die in der Süßwarenabteilung arbeitet, ist es recht bald um ihn geschehen. Zwischen den Regalen, zwischen Schokolade und Bierkästen, tauschen die beiden immer wieder Blicke und ein paar Sätze. Am Kaffeeautomaten lernen sich die beiden etwas besser kennen. Marion nennt Christian „Frischling“ und verschwindet manchmal für ein paar Tage, dann ist sie wieder da und die beiden suchen die Nähe des jeweils anderen. Auch als Christian erfährt, dass Marion verheiratet ist, mag er sie nicht aufgeben.

In den Gängen ist ein Melodram und deutscher Spielfilm, der durch das Spiel der drei Hauptfiguren: Christian, Bruno und Marion Charakter bekommt. Sandra Hüller, die vielen Kinobesuchern vermutlich durch Toni Erdmann noch in Erinnerung ist, brilliert auch hier und zusammen mit Frank Rogowski ein stimmiges Paar. Der Film ist in drei Kapitel eingeteilt, die jeweils einen Namen der tragenden Figuren trägt. Ich hatte einen witzigen Film vermutet, doch witzig war er nicht, eher trostlos.

3,5 von 5 Filmrollen

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes heißt die Doku von Wim Wenders über das Oberhaupt der katholischen Kirche Papst Franziskus. Der aus Argentinien stammende Papst ist seit 2013 in diesem Amt. Er lebt ein bescheidenes Leben, verzichtet auf Prunk und große Autos. In einem Interview mit Kindern heißt es, er führe mit dem Bus, und nicht mit Limousinen, zu Terminen.
Aufbau: In der Doku gibt es einen Erzähler, der partiell auftritt, der über Hintergründe erzählt, von Franz von Assisi. Das mit Papst Franziskus geführte Interview ist unterbrochen von Bildern weltweiter Besuche des Papstes an Unglücksorten, in Krankenhäusern u.a. Begegnungen mit Menschen, auch „typische Nachrichtenbilder“ sind zu sehen. Papst Franziskus spricht offen, auch über kritische Themen. Kindern, Kranken, Gläubigen, Gefängnisinsassen u.a. begegnet er ruhig, offen und herzlich. Berührend, wie er lebt, was er lebt und spricht.

Im ersten Teil der Doku empfand ich als schwer hinein zu kommen. Der Erzähler erschien mir störend, die dazu gedrehten Bilder eher disharmonisch als harmonisch eingebunden ins Ganze. Den Beginn der Doku, empfand ich eher verschlossen als offen. Doch ich entschied mich zu bleiben und wurde nicht enttäuscht. Berührende Worte, Gesten, Begegnungen und Bilder im weiteren Verlauf, es kam mir vor, als ginge es thematisch, inhaltlich „näher heran“. Die gesprochenen Worte im zweiten Teil der Doku hätte ich mir am Anfang der Doku gewünscht. Ich hatte das Gefühl „mehr sehen zu können“ von diesem Papst mit den freundlichen, offenen Augen, dass er sichtbarer wurde. Ein nicht leicht zu findendes Fazit, wegen der als persönlich empfundenen beiden unterschiedlichen Teile. Außerdem hätte ich mir mehr Persönliches zu sehen gewünscht, aus seinem Leben. Dennoch ein wichtiger Film. Ich schließe mit einem vorläufigen Fazit:

3,5 von 5 Filmrollen

Der Buchladen der Florence Green

In der Romanverfilmung „Der Buchladen“ wird die Geschichte von Florence Green (Emily Mortimer) erzählt, die, jung verwitwet, sich Ende der 1950er Jahre in England mit einem Buchladen verwirklichen will. Die Liebe zur Literatur teilte sie mit ihrem Mann, insofern ist diese Idee mit dem Buchladen für Florence eine ganz Natürliche. Doch die Bewohner der kleinen Küstenstadt in England, sind nicht begeistert von ihrem Plan, den Laden in einem lang schon leerstehenden Gebäude einzurichten, denn Violet Gamart (Patricia Clarkson), eine Konservative, hat andere Pläne mit diesem Gebäude. Sie möchte dort lieber ein Kunstzentrum eröffnen. Doch Florence bleibt dabei, sie eröffnet den Laden. Mit einem ihrer Kunden freundet sie sich schließlich an, dem zurückgezogen lebenden Mr. Brundish (Bill Nighy)der sich regelmäßig Bücher nach Hause empfehlen und bringen lässt. Auch ihm sind die Stadtgespräche um den Buchladen der jungen Witwe nicht entgangen. Während Florence dem Getuschel in der Stadt anfangs gelassen gegenüber steht, beunruhigt das Mr. Brundish zunehmend. Es beginnt ein Tauziehen zwischen der jungen Witwe und Violet Gamart.

Eigentlich klingt die Geschichte interessant. Die Kostüme haben mir gefallen, die Landschaft, die Autos. Viel zu laut und dröhnend empfand ich die Musik. Die Besetzung war gut, auch das Schauspiel, doch ich habe selten so einen langweiligen Film gesehen. Schwache Dialoge, viel Schweigen, inhaltliche Sprünge. Die Geschichte war einfach zu dünn für mein Empfinden, auch die Figuren wirken charakterlich eher leer und nichtssagend. Vielleicht muss man den Roman kennen, auf dem dieser Film basiert, der Auszeichnugnen für Kamera, Regie und bestes adaptiertes Drehbuch erhielt.

2 Filmrollen von 5.

3 Tage in Quiberon

Romy Schneider nimmt sich, 1981 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, hin und wieder Auszeiten, um sich vom stressigen Leben als gefragte Schauspielerin zu erholen. Darum geht es in diesem Film von Emily Atef: Romy (Marie Bäumer) verbringt drei Tage im bretonischen Quiberon. Dort möchte sie auch entgiften, verzichtet auf Alkohol und Tabletten und lebt Diät, um sich auf die nächste Rolle vorzubereiten. Ihre Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) reist später an, um ihr Gesellschaft zu leisten. Romy geht es nicht gut, ihr Sohn hat angedeutet, er wolle vielleicht mit den Stiefeltern leben, lieber als mit und bei ihr. Das ist ihr starke Motivation, Alkohol und Tabletten wegzulassen. Eigentlich ist sie in Quiberon auch, um sich zu erholen, und da will es nicht so recht dazu passen, dass sie dem Stern-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) ein Interview zugesagt hat, obgleich sie viele unangenehme Erfahrungen mit Presseleuten gemacht hat. Sie setzt sich dem aus im Beisein ihrer Freundin Hilde und des befreundeten Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner). Jürgs bedrängt Romy, stellt ihr viele viel zu private Fragen, manipuliert sie. Er lässt nicht locker, Hilde redet auf ihre Freundin ein, sie solle nicht weiter mit dem Reporter sprechen, der alles veröffentlichen werde. Doch Romy erzählt weiter. Die Lage spitzt sich zu.

Kann jemand Romy Schneider überzeugend spielen? Marie Bäumer ist es gelungen. Ebenso überzeugend in seiner Rolle als „schmieriger Reporter“ Robert Gwisdek, wofür er auch ausgezeichnet wurde. Auch Birgit Minichmayr spielt überzeugend die beste Freundin von Romy, wie auch Charly Hübner den Fotografen Robert Lebeck. Auch für die Filmmusik wurde dieser Film ausgezeichnet, doch die Handlung und das Schauspiel aller hat mich so in die Geschichte hinein gezogen, dass ich über die Musik gar nichts sagen kann. Dieser Spielfilm ist vielfach ausgezeichnet worden (für Regie, Hauptdarstellerin, Nebendarsteller u.a.).

5 von 5 Filmrollen.

Draußen in meinem Kopf

Ich gebe zu, dass ich nicht wußte, dass Samuel Koch, der einst durch eine Wette bei Wetten dass … verunglückte, Schauspieler ist. Erst durch den Trailer zu „Draußen in meinem Kopf“ erfuhr ich davon und war neugierig auf den Film. Samuel Koch spielt in dem Drama den unheilbar erkrankten und ans Bett gefesselten Sven. Diesem wird Christoph „zugeteilt“, der ein freiwilliges soziales Jahr absolviert und, was sein Leben angeht, sich in einer Orientierungsphase befindet. Dessen Vater möchte, dass er die heimische Firma übernimmt, doch Christoph möchte das ganz und gar nicht, er träumt davon Nautik zu studieren. Anfangs ist Sven (Samuel Koch) skeptisch, was Christoph (Nils Hohenhövel) angeht. Immer wieder provoziert er ihn durch Fragen zu sensiblen Themen, ist neugierig, ist anfangs ablehnend. Doch nach und nach entsteht eine Freundschaft, die sich langsam entwickelt. Schwierig wird es, als sich die hübsche blonde Pflegerin, in die Sven heimlich verliebt ist, für Christoph interessiert.

Es ist ein beachtliches und beeindruckendes Spiel zwischen den beiden Hauptakteuren des Films Samuel Koch (31) und Nils Hohenhövel (23), die beide ihr Debut als Hauptdarsteller in diesem Film feiern. Die Interaktion der beiden, das behutsame Annähern und Verstehen füreinander, bestimmt die Atmosphäre und Intensität des Films. Dennoch fehlte mir etwas in dem Film, das ich nicht näher benennen kann. Nichtsdestotrotz: Großartige schauspielerische Leistung der beiden Hauptakteure. Schöne Kamera.

4,5 von 5 Filmrollen