The Square

„The Square“ gilt als Gesellschaftssatire, die ein kritisches Auge auf Medien und deren Berichterstattung, auch auf die Kunst und deren Betrachter wirft. Der Trailer macht neugierig, er ist pointiert und kraftvoll. Protagonist ist der Kurator Christian, der zu Beginn des Films interviewt und später auf der Straße ausgeraubt wird. Die Kamera begleitet ihn durch sein Leben, seine Arbeit, Freizeit, seine Beziehungen, auch die zu seinen Töchtern. Die aktuelle Ausstellung lautet „The Square“. Das abgesteckte, beleuchtete Viereck, bietet einen Ort, an dem Vertrauen und Fürsorge herrschen. Auf dem Museumsvorplatz versucht eine junge Frau mit der Frage: Möchten Sie einen Menschen retten? Aufmerksamkeit für ihre Sache zu bekommen, doch alle gehen achtlos und gleichgültig vorüber. Auch Christian und sein Team versuchen Aufmerksamkeit zu erregen, für das neue Kunstprojekt, allerdings schießen sie dabei übers Ziel hinaus.
Christian, dem Handy und Brieftasche, auch Manschettenknöpfe seines Großvaters gestohlen wurden, versucht mit Hilfe eines Kollegen, seine Sachen zurück zu bekommen und greift zu unkonventionellen Methoden. Dabei trifft es auch Menschen, die nichts mit der Sache zu tun haben, doch nachdem Christian Erfolg hat, interessiert ihn das lange alles nicht. Auch Anne interessiert ihn nicht, die junge Journalistin, die mehr im Miteinander mit Christian sieht als einen One Night Stand den sie mit ihm hatte. Christian ist genervt und geht nicht ans Telefon. Doch die Vorfälle, die nach und nach passieren, führen zu einem Umdenken in ihm.

Der Film mit Überlänge ist ein Sammelsurium an Eindrücken und Themen. Nicht alle werden aufgelöst, es gibt viele „Vorfälle“, manches verläuft im Sande. Es sind viele Themen, die hier behandelt werden. Nach und nach erschließt sich einem, zumindest in Ansätzen, der Film. Guter Soundtrack, Kamera und gutes Schauspiel. Wegen der Punktvergabe bin ich nicht ganz sicher, ich setze mal ein

4 von insgesamt 5 Filmrollen.

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Zeit für Stille

Stille? Was ist das? Was bewirkt Stille, was Lärm? Gibt es überhaupt absolute Stille? Was geschieht, wenn wir für längere Zeit schweigen? Wie unterschiedlich laut ist das, was wir hören? Diesen Fragen ging Regisseur Patrik Shen in seinem Dokumentarfilm „Zeit für Stille“ nach. Neben Stille und wundervollen Bildern, gibt es auch das, was den „Sound of Silence“ übertönt – Stadtlärm, Maschinen, Autos, Flugzeuge, auch die Geräusche der Natur und natürlich auch Musik. Der Film berührt und beim Betrachten der Bilder und beim Zuhören der Wissenschaftler und des Zenmeisters, wird man innerlich auch ruhig. Auf vielfältige Weise nähert sich der Regisseur dem Thema Stille und auch dem Gegensatz dazu – dem Lärm und welche Wirkung beides jeweils auf uns und unseren Organismus hat. Während Lärm zu Herzinfarkten führen kann und führt, bewirken Stille und Schweigen in uns Kraft und Stärkung. Sehr interessante Interwiews, insgesamt sehr sehenswert, berührend, ruhe-spendend.

5 Filmrollen von 5 – Höchstwertung

Weil ich es interessant finde, dass der deutsche Trailer sich komplett vom Trailer für englisches Publikum unterscheidet und es deshalb auch viele schöne weitere Bilder darin zu sehen gibt, hier auch der Trailer für England.

The Big Sick

Das Drehbuch zu diesem Film schrieben Kumail Nanjiani und Emily V. Gordon. Kumail Nanjiani spielt die männliche Hauptrolle in diesem Film. Er ist Pakistani und arbeitet als Taxifahrer in Chicago. Nebenher versucht er sich als Comedian. Bei einem seiner Auftritte fällt ihm Emily ins Wort, worauf die beiden, später nach der Veranstaltung, in einer Bar ins Gespräch kommen. Sie nähern sich an. Doch Kumails Eltern sind sehr traditionsbewusst und wollen für ihren Sohn eine arrangierte Ehe. Deshalb lädt die Mutter immer wieder junge, potentielle zukünftige pakistanische Ehefrauen ein, die dann zufällig zum Abendessen vorbei kommen. Doch Kumail hält nichts davon, es ist nicht sein Lebensstil, er betet auch nicht, macht es den Eltern aber vor. Würde er sich für eine nicht-pakistanische Frau entscheiden, würde seine Familie ihn ewig verstoßen, dessen ist er sich sicher. Als Emily eines Tages die Fotos all der Frauen in einer Zigarrenkiste findet, ist sie entsetzt und flüchtet. Der Kontakt der beiden reißt ab. Doch dann erreicht Kumail eines Tages ein Anruf, dass Emily im Krankenhaus liegt und die Bitte, dass er sie besuchen soll.

Hier eine Wertung abzugeben, fällt mir sehr schwer. Das liegt vor allen daran, dass der Film m.e. mehrere Brüche aufweist. Dies meine ich weniger in der Geschichte, sondern im Schnitt, also damit in der Erzählweise. Ich empfand es als störend und irritierend, durch die Brüche fühlte ich mich „rausgeworfen“ aus der Geschichte. Ansonsten: Sympathische, gute Schauspieler. Emilys Mutter wird von Holly Hunter gespielt, die manche vielleicht noch aus „Das Piano“ kennen. Die Eltern sind sehr skurril, das macht Spaß. Insgesamt dennoch eine schöne Geschichte. Sie wird als Komödie gehandelt, das ist mir allerdings im Genre eher unpassend. Für mich war und ist das ein Liebesfilm.

3,5 Filmrollen von 5.

Maudie

Ich weiß nicht, wie oft im Jahr Ihr ins Kino geht, aber solltet Ihr nur einmal im Jahr gehen – geht in diesen Film! Ich habe sehr viele Filme gesehen dieses Jahr, und von den gesehenen Filmen gab es ein paar Mal die Höchstwertung (= 5 Filmrollen), aber dieser Film (nach einer wahren Geschichte) toppt sie allesamt! In den Hauptrollen Sally Hawkins und Ethan Hawke.

Maudie leidet an einer Form von Arthritis. Sie wird von ihrer Familie durch ihre Krankheit wie eine Ausgestoßene behandelt. Niemand nimmt sie ernst, sie wollen sie einengen und bevormunden, doch Maudie lässt dies nicht zu. Sie beschließt, sich aus dem Haus und von ihrer Tante Ida zu verabschieden. Als sie zufällig in einem kleinen Supermarkt ist, bekommt sie mit, dass Everett, ein hart arbeitender Junggeselle eine Haushaltshilfe sucht. In diesem Job sieht Maudie ihre Chance, das alte, einengende Leben hinter sich zu lassen und auf eigenen Beinen zu stehen. Sie bewirbt sich. Doch Everett ist kein einfacher Mensch. Lange hat er alleine gelebt, er ist den Umgang mit anderen Menschen nicht gewöhnt und schon gar nicht mit einem feinsinnigen, sensiblen Menschen, wie Maudie einer ist. Dennoch finden die beiden einen Weg, trotz vieler Stolpersteine, zueinander. Die beiden Ausgestoßenen nähern sich vorsichtig einander an. (Ich musste dauernd an Rilke denken, der schrieb: Darin besteht die Liebe: Daß sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden. (Rainer Maria Rilke)
Maudie darf bleiben. Ihrer Tante gefällt das nicht, auch ihr Bruder sieht sie nicht gern dort, doch Maudie macht einfach weiter. Sie beginnt wieder ihre Malerei aufzunehmen, die ihr alles bedeutet. Eine Kundin von Everett, gespielt von Ethan Hawke, interessiert sich für die Bilder.

Maudie ist ein Film nach einer wahren Geschichte. Ethan Hawke spielt Everett und Sally Hawkins die erkrankte und kreative Maudie. Nicht nur das Spiel der beiden Hauptakteure haut einen wirklich um, es ist auch die Musik/der Soundtrack, die gesamte Stimmung des Films, auch das Setting – einfach großartig. Wenn es dafür keine Oscars gibt, dann versteh ich die Welt nicht mehr. Ich kann nur sagen: Geht in diesen Film. Er ist einfach mitreißend schön, ohne reißerisch zu sein. Ein sehr ruhiger Film, der einfach großartig ist. Am besten seht Ihr ihn Euch selbst an.

Höchstwertung: 5 Filmrollen von 5 Filmrollen.

Für mich der beste Film des Jahres!

Happy End

Im aktuellen Film von Michael Haneke steht die Unternehmerfamilie Laurent im Fokus. Sie leben in Calais, es gibt gleich zu Beginn des Films ein Unglück auf der Baustelle – eine Wand stürzt ein, ein Bauarbeiter stirbt. Doch das ist nicht das einzige Unglück. Die gesamte Familie sitzt mittendrin. Es gibt kaum Kommunikation zwischen ihnen und wenn, besteht sie meist aus Vorwürfen, Anklagen oder stets darum bemüht, die Fassade zu wahren. Doch das funktioniert nicht. Die 13jährige Eve (Fantine Harduin) wird in diese Familie gebracht, in die sie ihr Vater, der sich längst von ihr distanziert hat, holt. Ihre Mutter, die er vor Jahren verlassen hatte, hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie liegt im Krankenhaus und so lange soll Eve in der Familie bleiben. Niemand spricht mit dem Kind, was nicht verwundert, da niemand wirklich mit jemandem spricht. Die Kommunikation findet, wenn, häufig über das Internet, statt. Oder so knapp und leer, dass es abschreckend ist zu sehen. Eve fühlt sich nicht wohl, versucht sich aber mit allem zu arrangieren und es wirkt, als täten dieses alle. Es ist von Anfang an befremdlich, dieser Familie und diesen Menschen im Film zu folgen, zuzuschauen, zuzuhören. Es ist unerträglich, trist, wirkt zusammenhanglos, befremdlich.
Großartige Schauspieler, besonders hervorstechend die 13jährige Fantine Harduin in der Rolle der Eve. Dennoch konnte mich dieser Film, gespickt mit Internetvideos und Chatprotokollen, nicht überzeugen, wie es viele andere Haneke-Filme schafften.

2,5 von 5 Filmrollen

Walk with me

Walk with me ist ein Dokumentarfilm über Thich Nhat Hanh, der, einst ins Exil vertrieben, Plum Village 1982 in Frankreich gründete und aufbaute und seither dort lebt und lehrt. Es ist ein Meditationszentrum, in dem weibliche und männliche Mönche zusammen leben. Es gibt immer wieder Retreats, vom inzwischen 91jährigen Thich Nhat Hanh, die von vielen tausenden Menschen aus der ganzen Welt wahrgenommen werden. Die Filmemacher begleiten ein paar der Mönche auf ihrer Reise nach und durch New York. Sie dokumentieren das alltägliche Leben in dem Zentrum an der Seite von Thich Nhat Hanh. Ein Erzähler, hier Benedict Cumberbatch, begleitet auf unaufdringliche Weise die Reise. Unterlegt sind Verse, die Thich Nhat Hanh einst in sein Tagebuch schrieb, auch Auszüge aus Retreats und dann gibt es noch diverse stille Momente der Einkehr und Achtsamkeit der Menschen dort. Es ist ein ruhiger Film, berührend und schön.

4,5 Filmrollen von 5

Victoria & Abdul

Victoria (gespielt von Judi Dench) ist 1887 Königin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland und auch Kaiserin von Indien. Zu ihrem Thronjubiläum soll sie aus Indien geehrt werden, weshalb der junge Abdul Karim, zusammen mit einem Freund, nach England geschickt wird, ihr eine Münze zu überreichen. Abdul Karim fährt gern, ist neugierig auf das andere Land und die Königin, sein Freund Mohammed hingegen, möchte die Münze überreichen und gleich wieder heimfahren, da er die Engländer für Barbaren hält. Doch daraus wird nichts, denn Victoria bemerkt den interessierten Abdul Karim und wünscht seine Anwesenheit. Dem Wunsch kommt er nach, die beiden lernen sich besser kennen und freunden sich an. Victoria erfährt mehr über das Land Indien, dessen Kaiserin sie ist, über Kultur und die hiesige Küche und ist so angetan von allem, dass sie schließlich die Sprache erlernen möchte. Abdul Karim soll ihr Lehrer sein. Die Freundschaft der beiden wird von den anderen am Hofe, auch von ihrem Sohn, missbilligt.

Victoria & Abdul basiert auf einem Roman und erzählt eine wahre Geschichte, mehr oder weniger, so heißt es zu Beginn des Films. Durchwoben ist die Geschichte mit feinem Humor. Sehr sehenswert, auch sehr schöne Landschaftsaufnahmen, berührende Geschichte.

5 Filmrollen von 5.