The Big Sick

Das Drehbuch zu diesem Film schrieben Kumail Nanjiani und Emily V. Gordon. Kumail Nanjiani spielt die männliche Hauptrolle in diesem Film. Er ist Pakistani und arbeitet als Taxifahrer in Chicago. Nebenher versucht er sich als Comedian. Bei einem seiner Auftritte fällt ihm Emily ins Wort, worauf die beiden, später nach der Veranstaltung, in einer Bar ins Gespräch kommen. Sie nähern sich an. Doch Kumails Eltern sind sehr traditionsbewusst und wollen für ihren Sohn eine arrangierte Ehe. Deshalb lädt die Mutter immer wieder junge, potentielle zukünftige pakistanische Ehefrauen ein, die dann zufällig zum Abendessen vorbei kommen. Doch Kumail hält nichts davon, es ist nicht sein Lebensstil, er betet auch nicht, macht es den Eltern aber vor. Würde er sich für eine nicht-pakistanische Frau entscheiden, würde seine Familie ihn ewig verstoßen, dessen ist er sich sicher. Als Emily eines Tages die Fotos all der Frauen in einer Zigarrenkiste findet, ist sie entsetzt und flüchtet. Der Kontakt der beiden reißt ab. Doch dann erreicht Kumail eines Tages ein Anruf, dass Emily im Krankenhaus liegt und die Bitte, dass er sie besuchen soll.

Hier eine Wertung abzugeben, fällt mir sehr schwer. Das liegt vor allen daran, dass der Film m.e. mehrere Brüche aufweist. Dies meine ich weniger in der Geschichte, sondern im Schnitt, also damit in der Erzählweise. Ich empfand es als störend und irritierend, durch die Brüche fühlte ich mich „rausgeworfen“ aus der Geschichte. Ansonsten: Sympathische, gute Schauspieler. Emilys Mutter wird von Holly Hunter gespielt, die manche vielleicht noch aus „Das Piano“ kennen. Die Eltern sind sehr skurril, das macht Spaß. Insgesamt dennoch eine schöne Geschichte. Sie wird als Komödie gehandelt, das ist mir allerdings im Genre eher unpassend. Für mich war und ist das ein Liebesfilm.

3,5 Filmrollen von 5.

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Maudie

Ich weiß nicht, wie oft im Jahr Ihr ins Kino geht, aber solltet Ihr nur einmal im Jahr gehen – geht in diesen Film! Ich habe sehr viele Filme gesehen dieses Jahr, und von den gesehenen Filmen gab es ein paar Mal die Höchstwertung (= 5 Filmrollen), aber dieser Film (nach einer wahren Geschichte) toppt sie allesamt! In den Hauptrollen Sally Hawkins und Ethan Hawke.

Maudie leidet an einer Form von Arthritis. Sie wird von ihrer Familie durch ihre Krankheit wie eine Ausgestoßene behandelt. Niemand nimmt sie ernst, sie wollen sie einengen und bevormunden, doch Maudie lässt dies nicht zu. Sie beschließt, sich aus dem Haus und von ihrer Tante Ida zu verabschieden. Als sie zufällig in einem kleinen Supermarkt ist, bekommt sie mit, dass Everett, ein hart arbeitender Junggeselle eine Haushaltshilfe sucht. In diesem Job sieht Maudie ihre Chance, das alte, einengende Leben hinter sich zu lassen und auf eigenen Beinen zu stehen. Sie bewirbt sich. Doch Everett ist kein einfacher Mensch. Lange hat er alleine gelebt, er ist den Umgang mit anderen Menschen nicht gewöhnt und schon gar nicht mit einem feinsinnigen, sensiblen Menschen, wie Maudie einer ist. Dennoch finden die beiden einen Weg, trotz vieler Stolpersteine, zueinander. Die beiden Ausgestoßenen nähern sich vorsichtig einander an. (Ich musste dauernd an Rilke denken, der schrieb: Darin besteht die Liebe: Daß sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden. (Rainer Maria Rilke)
Maudie darf bleiben. Ihrer Tante gefällt das nicht, auch ihr Bruder sieht sie nicht gern dort, doch Maudie macht einfach weiter. Sie beginnt wieder ihre Malerei aufzunehmen, die ihr alles bedeutet. Eine Kundin von Everett, gespielt von Ethan Hawke, interessiert sich für die Bilder.

Maudie ist ein Film nach einer wahren Geschichte. Ethan Hawke spielt Everett und Sally Hawkins die erkrankte und kreative Maudie. Nicht nur das Spiel der beiden Hauptakteure haut einen wirklich um, es ist auch die Musik/der Soundtrack, die gesamte Stimmung des Films, auch das Setting – einfach großartig. Wenn es dafür keine Oscars gibt, dann versteh ich die Welt nicht mehr. Ich kann nur sagen: Geht in diesen Film. Er ist einfach mitreißend schön, ohne reißerisch zu sein. Ein sehr ruhiger Film, der einfach großartig ist. Am besten seht Ihr ihn Euch selbst an.

Höchstwertung: 5 Filmrollen von 5 Filmrollen.

Für mich der beste Film des Jahres!

Happy End

Im aktuellen Film von Michael Haneke steht die Unternehmerfamilie Laurent im Fokus. Sie leben in Calais, es gibt gleich zu Beginn des Films ein Unglück auf der Baustelle – eine Wand stürzt ein, ein Bauarbeiter stirbt. Doch das ist nicht das einzige Unglück. Die gesamte Familie sitzt mittendrin. Es gibt kaum Kommunikation zwischen ihnen und wenn, besteht sie meist aus Vorwürfen, Anklagen oder stets darum bemüht, die Fassade zu wahren. Doch das funktioniert nicht. Die 13jährige Eve (Fantine Harduin) wird in diese Familie gebracht, in die sie ihr Vater, der sich längst von ihr distanziert hat, holt. Ihre Mutter, die er vor Jahren verlassen hatte, hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie liegt im Krankenhaus und so lange soll Eve in der Familie bleiben. Niemand spricht mit dem Kind, was nicht verwundert, da niemand wirklich mit jemandem spricht. Die Kommunikation findet, wenn, häufig über das Internet, statt. Oder so knapp und leer, dass es abschreckend ist zu sehen. Eve fühlt sich nicht wohl, versucht sich aber mit allem zu arrangieren und es wirkt, als täten dieses alle. Es ist von Anfang an befremdlich, dieser Familie und diesen Menschen im Film zu folgen, zuzuschauen, zuzuhören. Es ist unerträglich, trist, wirkt zusammenhanglos, befremdlich.
Großartige Schauspieler, besonders hervorstechend die 13jährige Fantine Harduin in der Rolle der Eve. Dennoch konnte mich dieser Film, gespickt mit Internetvideos und Chatprotokollen, nicht überzeugen, wie es viele andere Haneke-Filme schafften.

2,5 von 5 Filmrollen

Walk with me

Walk with me ist ein Dokumentarfilm über Thich Nhat Hanh, der, einst ins Exil vertrieben, Plum Village 1982 in Frankreich gründete und aufbaute und seither dort lebt und lehrt. Es ist ein Meditationszentrum, in dem weibliche und männliche Mönche zusammen leben. Es gibt immer wieder Retreats, vom inzwischen 91jährigen Thich Nhat Hanh, die von vielen tausenden Menschen aus der ganzen Welt wahrgenommen werden. Die Filmemacher begleiten ein paar der Mönche auf ihrer Reise nach und durch New York. Sie dokumentieren das alltägliche Leben in dem Zentrum an der Seite von Thich Nhat Hanh. Ein Erzähler, hier Benedict Cumberbatch, begleitet auf unaufdringliche Weise die Reise. Unterlegt sind Verse, die Thich Nhat Hanh einst in sein Tagebuch schrieb, auch Auszüge aus Retreats und dann gibt es noch diverse stille Momente der Einkehr und Achtsamkeit der Menschen dort. Es ist ein ruhiger Film, berührend und schön.

4,5 Filmrollen von 5

Victoria & Abdul

Victoria (gespielt von Judi Dench) ist 1887 Königin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland und auch Kaiserin von Indien. Zu ihrem Thronjubiläum soll sie aus Indien geehrt werden, weshalb der junge Abdul Karim, zusammen mit einem Freund, nach England geschickt wird, ihr eine Münze zu überreichen. Abdul Karim fährt gern, ist neugierig auf das andere Land und die Königin, sein Freund Mohammed hingegen, möchte die Münze überreichen und gleich wieder heimfahren, da er die Engländer für Barbaren hält. Doch daraus wird nichts, denn Victoria bemerkt den interessierten Abdul Karim und wünscht seine Anwesenheit. Dem Wunsch kommt er nach, die beiden lernen sich besser kennen und freunden sich an. Victoria erfährt mehr über das Land Indien, dessen Kaiserin sie ist, über Kultur und die hiesige Küche und ist so angetan von allem, dass sie schließlich die Sprache erlernen möchte. Abdul Karim soll ihr Lehrer sein. Die Freundschaft der beiden wird von den anderen am Hofe, auch von ihrem Sohn, missbilligt.

Victoria & Abdul basiert auf einem Roman und erzählt eine wahre Geschichte, mehr oder weniger, so heißt es zu Beginn des Films. Durchwoben ist die Geschichte mit feinem Humor. Sehr sehenswert, auch sehr schöne Landschaftsaufnahmen, berührende Geschichte.

5 Filmrollen von 5.

Das Schloss aus Glas

Das Schloss aus Glas basiert auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Jeanette Walls und erzählt die Geschichte der sechsköpfigen Familie Walls. Der Vater, Rex Walls (Woody Harrelson), ist alkoholkrank, intelligent und visionär. Seine Frau Lori Walls (gespielt von Naomi Watts) ist eine künstlerisch-ambitionierte Malerin. Es ist ein unkonventionelles Leben der Familie, die immer wieder umziehen muss, da der Vater wegen Alkohol seine Jobs verliert, sie schlafen draußen, leben in Häusern ohne Strom und Wasser, schlafen in den Bergen, in der Wüste, bei den Eltern von Rex oder im LKW. Dauernd sind sie auf der Flucht. Das Schloss aus Glas ist der Traum, den der Vater Rex Walls (großartig gespielt von Woody Harrelson) zeitlebens hatte und ein Plan, an dem er immer wieder arbeitet und festhält, und seine Kinder bezieht er in die Planungen mit ein. Doch immer wieder trieb es die Familie von Ort zu Ort, das Leben blieb unruhig und chaotisch. Der Vater war sicher, dass es nur den richtigen Ort bräuchte, und das Schloss würde wahr werden. Doch seine Sucht verunmöglicht vieles und bringt seine Frau und die Kinder mehrmals in große Not oder Gefahr. Andererseits gibt es viele Momente des Glücks. Die Kinder leiden und so ist es nicht verwunderlich, dass sie irgendwann das Haus verlassen wollen, um ihren eigenen Weg zu gehen. Dies ist für Rex Walls unerträglich. Während er versucht, die Familie zusammen zu halten, drängt es die Kinder mehr und mehr hinaus.

Eine spannende, auch aufwühlende Erzählung über eine Familie in Amerika. Insgesamt ist die wahre Geschichte packend erzählt, man wird hinein gezogen und fühlt mit. Sehr berührend. Empfehlenswert! Großartige schauspielerische Leistungen auch von den Kindern.

5 von 5 möglichen Filmrollen

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Interview mit „der echten Jeanette Walls“ über ihr Buch und ihre Mutter

Von Katzen und Menschen

Dies ist eine Dokumentation, das Debüt der in Instanbul geborenen Ceyda Torun, über Katzen und über Menschen, denen sich die Katzen anvertraut haben. Denn so erzählen die Menschen in der Doku, dass die Katzen sie ausgesucht hätten. Und sie erzählen noch viel mehr über diese wundervollen Tiere, die durch Istanbuls Straßen streifen und eigentlich niemandem gehören. Und doch fühlen diese sich manchen Menschen und Orten zugehörig. Es sind berührende Geschichten, beispielsweise des Mannes, der einen Nervenzusammenbruch hatte und ihm nichts half. Erst seitdem er entschieden hatte, die hungrigen Katzen der Stadt zu versorgen, geht es ihm gut. Während andere Männer in der Kneipe sitzen, Tee trinken und reden, füttert er die Katzen und ist glücklich. Ein anderer hat ein Café und die Katze schaut jeden Tag vorbei. Sie war oft krank, erzählt er, dass er mit ihr alle drei Wochen beim Tierarzt war und das Geld bald knapp wurde. „Ich kann da anschreiben lassen“, sagt er. Dann eine Frau, die in der ersten Etage wohnt und die Katze sich über den Baum auf ihren Balkon und dann vor ihre Türe setzte. Bis sie diese hinein ließ. Es sind schöne Geschichten, die diese und weitere Menschen hier in der Doku erzählen, Menschen die sagen: Die Katze hat mich ausgesucht. Die wundervollen Geschöpfe, hat die Kamera ebenso schön eingefangen. Ein angenehm ruhiger Erzähler und Sprecher führt durch diese Doku durch Istanbul aus der Sicht der Katzen und viele schöne Geschichten, die die Menschen über die Katzen erzählen. Hier haben sich die verschiedensten Menschen und Katzen gefunden.

Sehr sehenswert. Volle Punktzahl: 5 Filmrollen von 5.