Das Schloss aus Glas

Das Schloss aus Glas basiert auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Jeanette Walls und erzählt die Geschichte der sechsköpfigen Familie Walls. Der Vater, Rex Walls (Woody Harrelson), ist alkoholkrank, intelligent und visionär. Seine Frau Lori Walls (gespielt von Naomi Watts) ist eine künstlerisch-ambitionierte Malerin. Es ist ein unkonventionelles Leben der Familie, die immer wieder umziehen muss, da der Vater wegen Alkohol seine Jobs verliert, sie schlafen draußen, leben in Häusern ohne Strom und Wasser, schlafen in den Bergen, in der Wüste, bei den Eltern von Rex oder im LKW. Dauernd sind sie auf der Flucht. Das Schloss aus Glas ist der Traum, den der Vater Rex Walls (großartig gespielt von Woody Harrelson) zeitlebens hatte und ein Plan, an dem er immer wieder arbeitet und festhält, und seine Kinder bezieht er in die Planungen mit ein. Doch immer wieder trieb es die Familie von Ort zu Ort, das Leben blieb unruhig und chaotisch. Der Vater war sicher, dass es nur den richtigen Ort bräuchte, und das Schloss würde wahr werden. Doch seine Sucht verunmöglicht vieles und bringt seine Frau und die Kinder mehrmals in große Not oder Gefahr. Andererseits gibt es viele Momente des Glücks. Die Kinder leiden und so ist es nicht verwunderlich, dass sie irgendwann das Haus verlassen wollen, um ihren eigenen Weg zu gehen. Dies ist für Rex Walls unerträglich. Während er versucht, die Familie zusammen zu halten, drängt es die Kinder mehr und mehr hinaus.

Eine spannende, auch aufwühlende Erzählung über eine Familie in Amerika. Insgesamt ist die wahre Geschichte packend erzählt, man wird hinein gezogen und fühlt mit. Sehr berührend. Empfehlenswert! Großartige schauspielerische Leistungen auch von den Kindern.

5 von 5 möglichen Filmrollen

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Interview mit „der echten Jeanette Walls“ über ihr Buch und ihre Mutter

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Von Katzen und Menschen

Dies ist eine Dokumentation, das Debüt der in Instanbul geborenen Ceyda Torun, über Katzen und über Menschen, denen sich die Katzen anvertraut haben. Denn so erzählen die Menschen in der Doku, dass die Katzen sie ausgesucht hätten. Und sie erzählen noch viel mehr über diese wundervollen Tiere, die durch Istanbuls Straßen streifen und eigentlich niemandem gehören. Und doch fühlen diese sich manchen Menschen und Orten zugehörig. Es sind berührende Geschichten, beispielsweise des Mannes, der einen Nervenzusammenbruch hatte und ihm nichts half. Erst seitdem er entschieden hatte, die hungrigen Katzen der Stadt zu versorgen, geht es ihm gut. Während andere Männer in der Kneipe sitzen, Tee trinken und reden, füttert er die Katzen und ist glücklich. Ein anderer hat ein Café und die Katze schaut jeden Tag vorbei. Sie war oft krank, erzählt er, dass er mit ihr alle drei Wochen beim Tierarzt war und das Geld bald knapp wurde. „Ich kann da anschreiben lassen“, sagt er. Dann eine Frau, die in der ersten Etage wohnt und die Katze sich über den Baum auf ihren Balkon und dann vor ihre Türe setzte. Bis sie diese hinein ließ. Es sind schöne Geschichten, die diese und weitere Menschen hier in der Doku erzählen, Menschen die sagen: Die Katze hat mich ausgesucht. Die wundervollen Geschöpfe, hat die Kamera ebenso schön eingefangen. Ein angenehm ruhiger Erzähler und Sprecher führt durch diese Doku durch Istanbul aus der Sicht der Katzen und viele schöne Geschichten, die die Menschen über die Katzen erzählen. Hier haben sich die verschiedensten Menschen und Katzen gefunden.

Sehr sehenswert. Volle Punktzahl: 5 Filmrollen von 5.

Axolotl Overkill

Mit ihrem Debut „Axolotl Overkill“ und den darin plagiierten Passagen des wordpress-Bloggers Airen (https://airen.wordpress.com/), war Helene Hegemann in der Literaturszene unangenehm aufgefallen. Da war sie 16. Danach war es lange still um sie (zumindest ich habe kaum oder wenig über sie gelesen). Jetzt ist die Verfilmung ihres Romans ins Kino gekommen und wer hat Regie geführt? Helene Hegemann. Das Buch habe ich nicht gelesen, nur angelesen, mehr nicht, der Trailer hatte mich allerdings neugierig gemacht. Also – ich habe keinen blassen Schimmer, was die „eigentliche Geschichte“ hier ist, vielleicht gibt es auch gar keine „eigentliche Geschichte“ als die von Mifti (gespielt von Jasna Fritzi Bauer), der wunderbaren Hauptdarstellerin in diesem Film, die in Berlin zwischen allerlei Beziehung-und Nichtbeziehung hin und herpendelt, hin und her lebt. Dennoch hat mich der Film unterhalten, gute, mutige Frauencharaktere und super Kamera. Auch die Musik war toll. Ansonsten alles splitterhaft und wenn ich mich recht entsinne, war es im Buch ebenso (zumindest die Passagen, die ich gelesen habe).

Trotz allem – sehenswert. Guter Soundtrack. Für die Kameraarbeit gabs eine Auszeichnung.

4,5 von 5 Filmrollen

Der traumhafte Weg

Der kurze Trailer vom Film „Der traumhafte Weg“, einem elliptisch erzählten Film von Angela Schanelec über ein Paar, das manchmal zusammen singt, manchmal miteinander schläft, selten miteinander redet. Die Hauptfiguren sind Kenneth und Teres, die beiden sind ein Liebespaar. Sie spielt Gitarre, beide singen dazu. Damit verdienen sie sich ein wenig Geld, um davon zu leben. Die Geschichte beginnt in Griechenland. Dort erhält Kenneth bei einem Anruf Zuhause die Nachricht, dass seine Mutter schwer erkrankt im Krankenhaus liegt. Es steht nicht gut um sie. Deshalb reist er ab und lässt Teres zurück. Die Wege der Beiden trennen sich. Teres zieht irgendwann nach Berlin, lässt sich dort nieder, heiratet, wird Mutter. Nach vielen Jahren begegnen sich Teres und Kenneth wieder.
Es geschieht selten, dass ich das Kino verlasse, bevor der Film zu Ende ist. In diesem Fall war es so. Es wird kaum gesprochen, die Menschen werden zu faden Figuren. Hier war künstlerisch vieles gewollt, aber mich hat leider rein gar nichts erreicht, berührt oder angesprochen.

0 von 5 Filmrollen.

Beuys

In der Doku von Andreas Veiel sieht und erlebt man Joseph Beuys in Interviews, Vorträgen, Fotos, Events aus der Zeit in Kleve, Düsseldorf, New York u.a. Stationen seines Lebens sind hier interessant miteinander verwoben, arrangiert und erzählt. Es gibt auch einiges zu Lachen. Mir hat sehr gefallen, dass diese Doku Raum lässt, nicht zugetextet ist, sondern Bilder auch einfach mal stehen und wirken lässt. 
Dass Joseph Beuys, als er in Kleve bei Freunden untergekommen war, depressiv war und nur schwerlich aus diesem Zustand heraus kam, war mir bislang nicht bekannt. Die Mutter des Mannes, bei dem er wohnte (von Grinten), führte ein entscheidendes, erschütterndes und inspirierendes Gespräch mit Beuys, der damals niedergeschlagen war von seiner Erfolglosigkeit als Künstler. Danach, so heißt es, stand er auf und wurde wieder tätig.
Das und vieles mehr wird in dieser Doku auf unaufgeregte, interessante, auch grafisch und schnitttechnisch ästhetische Weise, erzählt. Berührend. Sehr empfehlenswert.

5 von 5 Filmrollen

The Founder

The Founder erzählt die Geschichte der bekannten großen Fastfood-Kette. Im Mittelpunkt steht Ray Crock, ein Mann Anfang 50, ein erfolgloser Verkäufer, der es mal mit Klapptisch-, dann mit Mixerverkauf versucht, bis er eines Tages auf die beiden Mc Donalds-Brüder trifft, die ihn bereitwillig durch ihr Schnellrestaurant führen. Crock ist begeistert und hat die Idee, aus dem einen Restaurant eine Kette zu machen, Franchise ist seine Devise. Crock ist hartnäckig und überzeugt die Brüder mit ihm einen Vertrag abzuschließen, doch während diese anfangs noch annehmen, sich damit weitgehend abgesichert zu haben, werden sie überrascht von Ray Crock, der bereit ist, weiter zu gehen, als sie selbst. In der Hauptrolle Michael Keaton, bekannt aus u.a. Birdman. (Ursprünglich sollte diese Rolle Tom Hanks spielen, der jedoch ablehnte).

Überzeugend, gut erzählt, spannend und ein weiterer Grund die bekannte Kette zu meiden.

5 von 5 Filmrollen

 

Moonlight

Ich mag gar nichts weiter zu diesem Film sagen, außer dass er großartig ist. Beste schauspielerische Leistung, tolle Dialoge, großartiges Drehbuch (basierend auf einem gleichnamigen Theaterstück), tolle Kamera, Soundtrack – berührendes Kino, das sehr viel mit Auslassung arbeitet. Höchstwertung.

5 Filmrollen von 5 Filmrollen.